Nach Puckis Tod hielten wir es gerade mal zwei
Wochen ohne Hund aus.
Es fehlte einfach etwas in unserem Leben,
obwohl zwei Jahre zuvor Kater Tiger bei uns
Einzug gehalten hatte.
In der Zeitung fand ich eine Anzeige, in der
Welpen angeboten wurden, und zwar Malteser-
Westi-Mischlinge. Das war genau etwas für uns:
klein und handlich, langhaarig und vor allem
nicht schwarz. Seit meine Mutter als Kind von
einem schwarzen Hund gebissen wurde, hasste sie Hunde mit dieser Farbe, das mussten
wir erfahren, als sie sich Pucki gegenüber äußerst feindlich verhielt.
Dieser angebliche Züchter entpuppte sich als Verkäufer vieler Hunderassen.
Jolie saß alleine in einer Box und schaute mich mit großen Augen an. Als ich sie auf den Arm nahm, merkte ich,
dass es Liebe auf den ersten Blick war. Sie war ein kleines Hundemädchen mit weißem Plüschfell und schwarzen
Kulleraugen. Dass sie eine wandelnde Floh-Herberge war, störte mich wenig, aber der Preis, den man für sie als
Misch-ling verlangte, ließ mich zusammenzucken. Aber ich wollte sie auf jeden Fall da raus holen und so zahlte ich.
Ich denke, dass ist auch genau die Geschäftstaktik des Verkäufers gewesen.
Beim Tierarztbesuch am nächsten Tag stellte sich
heraus, dass sie nicht nur
Flöhe hatte, sondern auch jede Menge Darmparasiten
und sie war in einem
bedenklichen Gesundheitszustand. Dieser
Hundeverkäufer war bei
unserem Tierarzt bereits einschlägig bekannt und nur
ungefähr die Hälfte aller
dort gekauften Hundewelpen überlebten die ersten vier
Wochen. Jolie gehörte
dazu, wir haben sie aufgepäppelt und sie wuchs zu
einem selbstbewußten
Hundemädchen heran, die jeden Rüden, ob groß oder
klein, um die Pfote
wickelte, die Menschen mit einge-schlossen. Sie war der
gutmütigste Hund, den ich
jemals kennen gelernt habe. Zugegeben, sie hatte ihren
eigenen Kopf und wenn
man sie rief, meinte man, sie antworten zu hören: “Ja, ja,
ich komme gleich, lasst
mich doch hier noch kurz schnuppern!” Übrigens: der
Hof, von dem wir Jolie
hatten, wurde ein paar Jahre später von der Polizei geschlossen. Jolie stammte wahrscheinlich aus Frankreich und
war ein Coton de Tulear, was ein französischer Züchter dieser Rasse anhand ihrer Tätowierung im Ohr feststellte.
Wir lernten ihn bei einem Urlaubsaufenthalt an der Cote d’Azur kennen. Auf welchem Weg Jolie nach Deutschland
kam, steht in den Sternen. Ich denke, es war kein offizieller. Er wird wohl per Kofferraum stattgefunden haben. Ihe
Angst vor ausgestreckten Händen, die sie vielleicht greifen wollen, verlor sie ihr Leben lang nicht.
Jedes Jahr nahmen wir sie mit in Urlaub nach Südfrankreich und sie verhielt sich jedes Mal vorbildlich. Man konnte
sie überall
mit hin nehmen.
Ihr
“Ziehvater” war Tiger, unser Kater. Von ihm lernte sie eigentlich alles,
was eine
Katze so wissen musste. Andere Hunde konnten meistens nicht viel
mit ihrer
Körpersprache anfangen. Sie war äußerst raffiniert. Erst baggerte sie
die Rüden an,
dann, wenn sie Interesse zeigten, quietschte sie laut und ließ sie
einfach
stehen.
Äußerst gern
ließ sie sich fotografieren und posierte dann wie eine Lady.
Als sie neun
Jahre alt war, holten wir Daisy, das Malteser-Mädchen zu uns, damit
Jolie nicht so
allein ist, wenn wir für ein paar Stunden außer Haus waren. Beide
mochten sich
auf Anhieb und bildeten zusammen mit Tiger ein unschlagbares Team.
Leider
verstarb Tiger mit 12 Jahren an einem Lungentumor. 2006 gesellte sich
noch Maja hinzu, ebenfalls ein Coton de Tulear. In den letzten drei Jahen ihres Lebens war Jolie taub geworden. Wir
konnten sie nicht mehr von der Leine lassen, da sie mit ihrem Zotteltrab immer noch ganz schön schnell unterwegs
war und es unmöglich war, sie zurück zu rufen. Aber die Kommunikation über den Gesichtskontakt klappte
wunderbar.
Mit 15 Jahren erkrankte sie schwer. Eine vereiterte Gebärmutter musste in einer Notoperation entfernt werden. Wir
wussten nicht, ob sie dies überleben würde, aber sie hatte es geschafft und blühte noch einmal richtig auf. Ihr
bereits schütteren Haare wurden lang und dicht und sie war sogar wieder zu manchem Spielchen bereit.
Ein Jahr später bekam sie eine Lungenentzündung und erholte sich nicht wieder. 16 Jahre lang hatte sie ihr Rudel
angeführt, aber jetzt wollte sie nicht mehr. Im September 2008 ging sie über die Regenbogenbrücke. Der Abschied
von ihr fiel uns unsagbar schwer. Aber die Anwesenheit unserer beiden anderen Hunde milderten die Trauer.