von Karin Papalau
Es war einmal eine kleine Biene, die zusammen mit noch ganz vielen
anderen Bienen in einem Bienenhaus lebte, das man auch Bienenstock
nennt. Sie hatten auch eine Königin, die über das ganze Volk regierte und
dafür sorgte, dass immer wieder ganz viele kleine Bienenbabys geboren
wurden. Eine ganze Anzahl von den großen Bienen war täglich damit
beschäftigt, zu den verschiedenen Blumen und Blüten in der Nähe zu
fliegen, um den Blütenstaub einzusammeln. Dieser Blütenstaub wurde
dann in den Zimmern im Bienenstock, die man Waben nannte, gesammelt und der Imker, das war
der Mann, dem das Bienenvolk gehörte, machte daraus leckeren Honig. Der schmeckt allen Kindern
gut.
Die kleine Biene, ihre Brüder nannten sie übrigens Minni, weil sie gar so klein war und gar nicht
wachsen wollte, flog am Anfang immer mit ihren Brüdern mit auf die große Wiese, wo es eine
Menge bunter duftender Blumen gab. Wie schnell hatten sie da so viel Blütenstaub gesammelt,
dass sie es kaum schafften, mit der süßen Last zurück zum Bienenstock zu fliegen. Das war ganz
schön schwer! Und bald war auch die kleine Minni ganz müde und legte sich auf ein großes Blatt.
„Ich will mich nur ein bisschen ausruhen“ rief sie ihren Brüdern zu und schloss die Augen. Das
leise Säuseln des Windes und das leichte Wiegen des großen Blumenblattes trugen dazu bei, dass
sie ganz schnell eingeschlafen war. Erst als ein kleiner Windstoß sie von ihrem Liegeplatz purzeln
ließ, wachte sie wieder auf. „Au, das hat weh getan, was ist denn los?“ rief sie und schaute sich
nach ihren Brüdern um. Aber niemand war zu sehen und kein Summen war zu hören. Ihre Brüder
hatten sie einfach vergessen und waren mit dem ganzen gesammelten Blütenstaub nach Hause
geflogen.
Im ersten Moment war die kleine Biene ganz erschrocken. Doch dann sagte sie entschlossen zu
sich selbst: „Minni, du bist gar nicht so ein kleiner Angsthase, wie die anderen immer sagen, du
bist schon groß und findest den Weg auch alleine nach Hause!“
Kaum hatte sie sich so Mut gemacht, flog sie auch schon von dem großen Blatt herunter und
drehte sich nach allen Seiten um. „Wohin soll ich jetzt fliegen?“ Sie schaute nach links und nach
rechts und entschied sich dann für den Weg am Rande der großen Wiese. „Irgendwohin wird der ja
wohl führen und dann finde ich ganz bestimmt unser Bienenhaus!“ Summ, summ, summ, Bienchen
summ herum“ sang sie munter und flog immer weiter.
Da kam sie plötzlich an ein großes Haus. Vor dem Haus roch es ganz herrlich. „Oh, das sind wohl
die Menschen, von denen uns die erwachsenen Bienen erzählt haben. Ob ich da mal hin fliege und
nachsehe, was da so los ist und warum es so köstlich duftet?“ Sie nahm allen Mut zusammen und
folgte der Duftspur. Und was sah sie da? Die Menschen saßen um einen Tisch herum auf dem
Brotscheiben mit lauter süßen Sachen darauf lagen. Neugierig flog die kleine Minni näher heran
und nun konnte sie auch sehen, dass auf diesen leckeren Broten ihre beiden Brüder saßen und die
süße Erdbeermarmelade naschten. Von wegen nach Hause geflogen mit dem Blütenstaub!
Hoffentlich passierte ihnen nichts! Man sagte sich ja in Bienenkreisen, dass die Menschen gar
nicht so gut auf Bienen zu sprechen seien. Aber nur deshalb, weil sie Angst vor deren Stachel
hatten. Ja, alle Bienen haben an ihrem Hinterteil einen spitzen Stachel, mit dem sie ganz schön
stechen können, wenn sie sich angegriffen fühlen. Aber das passiert nur im Notfall, denn irgendwie
muss man sich ja wehren können! Aber die kleine Minni konnte ganz beruhigt sein. Die Menschen
saßen ganz ruhig da und schauten den Bienen zu.
Dann stand der Junge auf und holte ein Schälchen mit Zuckerwasser. Das mögen die Bienen auch
sehr gerne. Und richtig: Minni’s Brüder flogen gleich hin und tauchten ihre kleinen Rüssel in die
süße Flüssigkeit. Hm, war das lecker! Da hatte auch Minni keine Angst mehr und setzte sich zu
ihren Brüdern auf den Rand der Schale und probierte ebenfalls. Oh ja, das war gut! Nun waren alle
zufrieden. Die Menschen konnten ihre Brote weiter essen und die Bienen hatten ihre eigene
Portion. Als sie satt waren, rief Minni: „Jetzt müssen wir aber schnell nach Hause! Es ist Zeit, den
Blütenstaub abzuliefern und noch einmal auf die Wiese zu fliegen. Es müssen noch viele Blumen
abgeerntet werden!“ „Ja du hast Recht, wir sind auch schon ganz satt. Lasst uns nach Hause
fliegen, sonst sucht man uns noch!“ Die beiden Brüder nahmen ihr Schwesterchen in die Mitte und
alle drei flogen fröhlich nach Hause zu ihrem Bienenstock.
von Karin Papalau
Max war ein kleiner brauner Teddybär mit langem, zotteligem Plüschfell. Vorne am
Bauch hatte er schon ein paar kleine kahle Stellen, weil ihn sein Besitzer so oft
am Bauch gedrückt, ihn aufgehoben und wieder hingeschmissen hat. Und
manchmal, wenn er wieder mal am Boden lag, war er sogar auf ihm herum
getrampelt. Das fand Max gar nicht schön und er quietschte jedes Mal ganz
kläglich. „Aua, das tut weh, hör doch auf! Ich bin doch ein Teddy zum Liebhaben
und nicht zum Rumschmeissen!“ rief er jedes Mal. Doch die Menschen konnten
ihn ja gar nicht verstehen. Das vergaß er immer wieder. Und so wurde er immer
trauriger durch die schlechte Behandlung und hörte irgendwann auch einmal auf zu quietschen. Stumm blieb
er überall da liegen, wo der kleine Junge ihn hingeschmissen hatte und wartete geduldig auf den Moment, wo
er wieder Lust hatte, mit ihm zu spielen.
Eines Tages  - Max war ganz erstaunt – durfte er den Jungen und seine Mama in die Stadt begleiten. „Nimm
den Teddy mit, dann ist dir nicht so langweilig, wenn ich einkaufe!“ sagte die Mutter zu dem Jungen. Der
bückte sich und zog Max am Ohr unter dem Bett hervor, wo er am Morgen hingeflogen war, als der kleine
Junge wieder einmal zornig war und keine Lust zum Anziehen hatte.
Jetzt lag er also neben dem Jungen im Kinderwagen und konnte gerade mal so über den Wagenrand auf die
Straße blicken. Da war vielleicht was los! Die Leute hatten es wohl alle eilig und hasteten mit Taschen und
Paketen an ihnen vorbei.
Als sie vor einem Schaufenster stehen blieben, hielt neben ihnen ein anderer Kinderwagen. Ein kleiner Junge,
ungefähr genau so alt, saß darin und hatte einen Teddybär im Arm, der fast so aussah wie Max. Und wie lieb
dieser Junge seinen Teddy an sich drückte! Max schaute ganz sehnsüchtig zu dem anderen Kinderwagen
hinüber. „Wenn man mich doch auch so lieb hätte“ dachte er für sich. Reden wollte er ja nicht mehr, weil ihn ja
doch niemand verstand.
Bald gingen sie weiter und der andere Teddy verschwand aus seinem Gesichtsfeld.
Die Mutter wollte für den Jungen eine neue Hose kaufen und ging mit ihm in ein großes Geschäft, wo viele
Ständer mit Hosen, Jacken und noch viel mehr standen. Die Suche nach einem geeigneten Kleidungsstück
dauerte ziemlich lange und irgendwann hatte der Junge einfach keine Lust mehr, Hosen anzuprobieren. „Ich
will nach Hause, ich will ein Eis und ich will Schokololade“ rief er ungeduldig. „Ich will, ich will, was sind denn
das für Worte?“ sagte die Mutter zu ihrem Kind. „Das heißt doch richtig: ich möchte gerne ein Eis haben.
Wenn wir eine Hose für dich gefunden haben und du mich richtig fragst, dann können wir überlegen, ob wir
auf dem Heimweg am Eisstand vorbeigehen und du eine Portion bekommst!“ „Ich will aber gleich ein Eis
haben!“ rief der Junge zornig und schmiss den Teddy aus dem Kinderwagen, so dass er unter einem
Kleiderständer mit der Nase auf dem Boden liegen blieb. Ob die Mutter wohl nicht gesehen hatte, dass der
Teddy nicht mehr im Wagen lag? Jedenfalls hing sie die schon ausgesuchten Kleidungsstücke wieder an den
Ständer, nahm den Kinderwagen und lief aus dem Geschäft. „So und jetzt gehen wir sofort ohne Eis nach
Hause!“ schimpfte sie. „Böse Buben haben kein Eis verdient!“. Keiner dachte mehr an den kleinen Teddybär,
der einsam und verlassen unter dem Kleiderständer lag. „Hallo, nehmt mich doch mit, ihr habt mich
vergessen!“ rief er so laut er konnte und dachte nicht mehr daran, dass ihn ja keiner hören konnte. Als er
endlich merkte, dass sein Rufen vergebens war, dachte er nach, was ihm jetzt noch passieren könnte: „es
könnte sein, dass ich nie mehr gefunden werde und Tag für Tag und Nacht für Nacht den Staub vom Boden
einatmen muss”. Irgendwann wäre er selbst nur noch ein kleines staubiges Bündel, das keiner mehr haben
wollte. Oder es war möglich, dass er am Abend, wenn der Laden sauber gemacht wird, zusammen mit den
vielen Staubflocken aufgekehrt würde, um dann im großen Mülleimer zu landen. Ein schrecklicher Gedanke!
Ach hätte der Junge ihn doch nicht aus seinem Wagen geworfen! Ein Bärenleben bei ihm wäre immer noch
besser gewesen, als in Staub und Müll zu enden!
Der Tag ging zu Ende und keiner hatte den kleinen Teddy unter dem Kleiderständer gefunden. Es wurde
dunkel und leer im Verkaufsraum und er lag immer noch auf dem Bauch und konnte deshalb auch nicht
sehen, dass die hintere Tür wieder aufging und der Mann, der immer das Geschäft sauber machte, herein
kam. Erst als das Deckenlicht eingeschaltet wurde, merkte er, dass wieder irgendetwas los war. „Jetzt werde
ich erfahren, wie es ist, in einem Mülleimer zu leben“ dachte er verzweifelt. Als er aber das Geräusch des
Staubsaugers hörte, brach er in Panik aus: „Man wird mich doch nicht einfach aufsaugen! Dann sehe ich nie
mehr etwas! Hilfe, Hilfe, hier bin ich, bitte nicht aufsaugen!“ rief er mit letzter Kraft. Das laute Geräusch kam
immer näher. „Jetzt ist es vorbei, ich bin die letzte Zeit ein Teddy gewesen, bald bin ich nur noch Müll“ dachte
er und ergab sich seinem Schicksal.
„Ja, wer bist du denn?“ hörte er plötzlich eine Stimme sagen und plötzlich schwebte er durch die Luft. “Fliege
ich jetzt in den Bärenhimmel?” dachte er entsetzt. Aber als er seinen Schreck überwunden hatte, merkte er,
dass ihn eine große Hand vorsichtig festhielt. „Wer hat dich denn hier verloren?“ sagte die Stimme weiter und
putzte ihm die Staubflusen aus dem Gesicht. „Von wegen verloren, weggeschmissen hat er mich!“ protestierte
Max laut. Ach so, der Mensch konnte ihn ja nicht verstehen! Aber um ihm zu zeigen, wie sehr er sich freute,
dass er gefunden wurde, machte er sich so richtig kuschelig in der Hand, die ihn immer noch fest hielt. Und
da sagte die Stimme auch schon: „Wie kuschelig du bist! Zum Wegwerfen viel zu schade, ich werde dich
mitnehmen zu meinem kleinen Jungen. Der hat sich schon lange einen Teddy gewünscht. Aber als Putzmann
verdient man nicht so viel und kann sich nicht alles leisten.” Er steckte Max in seine Jackentasche und
machte mit seiner Arbeit weiter.
Da steckte Max nun in einem dunklen Verlies und wusste nicht, ob das nun besser sein sollte als ein Müll-
eimer. Wobei er ja auch nicht wusste, wie es in einem Mülleimer aussah! Aber da er sich den diesen als einen
absolut unheimlichen Ort vorstellte, wo es dunkel war und stank, konnte seine derzeitige Lage eigentlich nur
besser sein. „Ich werde einfach mal abwarten, was weiter mit mir geschieht! Zumindest bin ich weg von dem
staubigen Fußboden, bin sauber und eigentlich hier auch ganz gut aufgehoben!“
Es dauerte noch eine Weile, bis das ganze Geschäft geputzt war und der Mann den Staubsauger wieder weg
räumte. Aber der Teddy war es ja gewohnt, immer irgendwo herum zu liegen und zu warten.
Dann endlich wurde er wieder aus der dunklen Jackentasche herausgeholt und in einer große Tasche auf
einen weichen Pullover gelegt. Irgendwann wurde auch diese Tasche wieder aufgemacht. Er wurde vorsichtig
herausgehoben und der Mann sagte zu einem kleinen Jungen, der wohl etwas größer war, als der, dem der
Teddy noch am Morgen gehört hatte: „Schau mal, was ich dir mitgebracht habe!“ „Oh, ein süßer Teddybär! Ist
der wirklich für mich?“ Die Augen des Jungen strahlten, als er den kleinen Teddy vorsichtig in den Arm nahm.
Der Vater erzählte seinem Jungen, dass er den Teddy ganz verlassen gefunden habe und weil sich wohl der
Besitzer nicht mehr ermitteln ließe, habe er gedacht, dass sein kleiner Sohn ihm bestimmt ein neues Zuhause
geben würde. „Du armer Teddy, was du wohl alles erlebt hast! Du bleibst jetzt bei mir und ich werde dich
immer ganz lieb haben, mein kleiner Bubu!“ Fest drückte der Junge den kleinen Teddy an seine Brust und der
Teddy wusste: „hier bin ich richtig zu Hause, hier wird es mir gut gehen und ob ich nun Max oder Bubu heiße,
das ist mir ganz egal. Hauptsache man liebt mich!“
Und von da an war es ein kleiner glücklicher Teddybär. Geliebt von seinem Jungen saß er bei den anderen
kleinen Plüschtieren, einem Elefanten und einem Hund auf dem Regal über dem Bett und abends durfte er
mit unter die Bettdecke zum Kuscheln und Einschlafen. Was will man mehr in einem Teddyleben!