Oder: „Hündische Körperpflege“
Ich bin ein kleiner Wuschelhund
und wühle gern im Dreck, na und?
Wenn ich so richtig schmutzig bin
trägt Frauchen mich zum Bade hin.
Sie macht mich nass und seift mich ein -
ich find‘ das Shampoo gar nicht fein;
weil ich im Schaume fast versinke
und hinterher erbärmlich stinke!
Ins Handtuch werd‘ ich eingehüllt,
„damit der Hund sich nicht verkühlt!“
Die Ohren, Augen – alles rein?
Jetzt nur noch kämmen, so ist‘s fein!
Noch mehr als meinen Badeschwamm
Hass‘ ich die Bürste und den Kamm!
Vom Fell, das sie heraus tut pflücken
könnte man bald Pullover stricken!
„ So, jetzt bist du wieder schön
und wir können Gassi geh’n!“
Die Tür geht auf und froh und heiter
grab ich an meinem Loch schnell weiter!
Da sitz ich nun vor dem weißen Papier,
das jungfräulich und leer erscheinet mir.
Ein Reim soll dieses Blatt bald zieren,
drum will ich keine Zeit verlieren.
Welch Thema könnte es denn sein?
Es fällt mir absolut nichts ein!
Ein Vers, der über’s Wetter spricht,
vielleicht gar über’s Sonnenlicht?
Ein süßes Lied von Liebe und Schmerz,
vom Kribbeln im Bauch und klopfendem Herz?
Auch die Natur wurd’ schon vielfach behandelt,
wie oft ist ein Pärchen durchs Grüne gewandelt!
Den Hund hab’ ich selbst schon in Versen bedacht,
und auch über Katzen drei Reime gemacht.
Die Kinder, die Alten, der Ehemann,
die kann ich nicht nehmen, die waren schon dran.
Ich könnt’ über’s Leben schlechthin einmal dichten -
ach nein, das würden ja wahre Geschichten!
Ich grüble und beiß’ bald den Bleistift entzwei
und wünsche mir sehnlichst die Erleuchtung herbei.
Ja, so ist’s nun mal mit sensiblen Poeten,
die gern auch mal etwas anderes täten.
Deshalb bleibt mein Zettel auch weiterhin rein,
vielleicht fällt mir morgen was besseres ein!
Als winzig kleiner Wuschelhund
total verfloht, nicht ganz gesund
kamst du zu uns ins Haus.
Wir hegten und wir pflegten dich
und liebten dich ganz inniglich,
Weiß war dein Fell und blond dein Ohr,
ein rosa Bäuchlein blitzte vor,
die Kulleraugen wie zwei Sterne.
Dein Schwänzchen trugst du stolz nach oben,
das braune Näslein keck erhoben,
dich Sonnenschein mocht’ jeder gerne!
Stets lieb zu Menschen, Hund und Katz,
ein wirklich lieber kleiner Schatz,
“Jolie“, die Lustige war dein Name.
Du fuhrst gern Auto, warst stets still,
du belltest überhaupt nicht viel,
du warst ganz einfach „große Dame“.
Dein kleines Rudel liebtest du,
sahst ihnen gern beim Spielen zu,
als du schon älter warst und weise.
Bliebst trotzdem stets der Alphahund,
so lang du fit warst und gesund,
Begleiter jeder Urlaubsreise.
Und als nach vierzehn Jahren dann
dein Leben am seidenen Faden hang,
hast du gekämpft und auch gewonnen.
Zwei schöne Jahre lebtest du
gehörlos zwar in tiefster Ruh,
und doch voll Liebe stets umsponnen.
In diesem Herbst standst du im Garten;
es schien, als würdest du dort warten
auf einen Ruf von fernem Ort
an dem du Abschied nahmst vom Leben
in dem du uns so viel gegeben.
Der Regenbogen führt’ dich fort.
Ade, du süße kleine Maus,
du lebst jetzt in dem großen Haus
wo alle Seelen sind vereint.
In der Erinnerung lebst du weiter
als lieber Hund, stets froh und heiter,
dem jeden Tag die Sonne scheint.
Wie oft denkt man: „ach wär' es fein
Wenn ich statt Mensch ein Hund könnt’ sein!
Was hätt’ ich da ein schönes Leben
bei Schlafen, Fressen, Pfötchen geben.
Ich tollte rum beim Gassi geh’n -
so wär' das Hundeleben schön!“
Als großer Hund könnt' man bewachen
das Frauchen, Herrchen, and’re Sachen.
Dem Hund bei Polizei und Zoll
wär’ man ganz stolz des Lobes voll.
Solch’ Dinge würd’ man gerne tun.
wie schön ist’s, danach auszuruh’n!
Als kleiner Hund, da würde man
im Bett mit schlafen – wenn man kann.
Man wird gekrault und viel gepflegt;
und manchmal Frauchen Hundchen trägt!
Von Arbeit ist man freigestellt,
nur ab und zu wird mal gebellt.
Hier irrt der Mensch und denkt nicht dran,
dass es auch anders werden kann.
Ein Hundeleben voll Qual und Leid
das gibt’s noch oft in dieser Zeit.
Verjagt, getreten und geschlagen,
das muss so mancher Hund ertragen!
Wenn dieser Mensch ein bisschen nur
mehr Achtung zollte der Kreatur,
dann könnt’ es bald die Chance geben,
dass jeder Hund hat mehr vom Leben.
Im Tierheim sitzt so manches Wesen,
das wäre lieber Mensch gewesen!
Wie oft sagt Mann: „mir geht es schlecht!“
Er jammert laut, nichts ist ihm recht.
Die Arbeit schmeckt ihm auch nicht mehr,
was früher leicht, wird plötzlich schwer.
Beim Bücken wird ihm schnaufend klar,
dass auch der Bauch mal flacher war.
Es spannt das Hemd, die Hose kneift,
fast täglich er zum Ischias greift.
Von den Gelenken ganz zu schweigen,
die schmerzhaft schon Arthrose zeigen.
Und erst am Kopf – so mancher hat ’se:
’ne richtig schöne blanke Glatze!
Zu Haus’ zieht er sich an bequem
und trägt, was ihm jetzt angenehm.
Wenn auch verbeult und Gummi lose,
sie kneift ihn nicht, die Jogginghose!
Das Sweatshirt legt sich um den Bauch,
die Latschen statt der Schuh’ tun’s auch.
Die Couch, ein Bier, den Fernseher an:
da sitzt er nun, der arme Mann
und schaltet sich durch die Programme,
die unterbrochen von Reklame.
Bald folgt er seinem Weib ins Bett
und schnarcht mit ihr dann um die Wett’!
Dies Weib, das ihm am frühen Morgen
am Frühstückstisch tat treu umsorgen,
ist auch nicht mehr das süße Wesen,
das sie vor Jahren einst gewesen!
Unwillig aus dem Bett gekrochen,
muss sie ihm seinen Kaffee kochen.
Die Haut, die früher frisch und weich,
sieht heute aus sehr faltenreich.
Mit Haaren ungekämmt und strähnig
ist sie gesprächig nur sehr wenig.
Doch tut ihn dieses all nicht jucken,
denn er muss in die Zeitung gucken.
Erst wenn er fort ist aus dem Haus
trimmt sie sich schnell auf „flotte Maus“.
Sie muß zwecks Konkurrenz sich pflegen,
denn im Büro gibt’s viel Kollegen.
Sie cremt sich, pinselt, stylt die Haare,
es muß nicht jeder seh’n die Jahre!
Sie nimmt ’ne Bluse aus dem Schrank,
die gut versteckt, was nicht mehr schlank,
der Rock hat auch ’nen graden Schnitt
mit Gummizug, denn der wächst mit!
Darunter drückt und kneift das Mieder,
es formt ’nen Teil der Taille wieder!
Einmal im Jahr fahr’n sie zu zwei’n
in Urlaub, denn das muß ja sein!
Kurz vorher wird noch abgespeckt.
Obwohl das Kilo nichts bezweckt,
fühlt man sich schlank in Badehose
und der Bikini sitzt ganz lose.
So sitzt man denn auf Liegestühlen,
beginnt sich wieder jung zu fühlen.
Er zieht den Bauch ein ganz geschickt,
wenn eine Schöne auf ihn blickt.
Sein Weib ganz jugendlich errötet,
wenn ein Adonis „hallo“ flötet.
Da plötzlich kommt’s ihm in den Sinn
Er ruft: „was ich für’n Trottel bin!
Wir sind doch beide nicht mehr dreißig,
drum wollen wir in Zukunft fleißig
einander achten, akzeptieren –
wenn wir die Jugend auch verlieren,
so sind doch reich wir an Erfahrung,
das Leben ist ’ne Offenbarung!
Man kann auch jetzt noch viel erleben,
einander noch viel Schönes geben.
Denn eins ist klar, ganz ohne Frage:
Auch unser Herbst hat schöne Tage!
Flieg, kleiner Vogel, flieg hinfort,
flieg hoch in weite Ferne!
Nimm meine Sehnsucht mit dir fort.
Wie flög’ ich mit dir gerne!
Doch ich bin schwach und willenlos,
kann nicht mehr fühlen, denken.
Der Schmerz in mir ist riesengroß;
wer wird mein Schicksal lenken?
Werd’ ich, wie du, einst rastlos zieh’n
Wird die Erinnerung mit mir flieh’n?
Wer reicht mir helfend seine Hand?
Du fliegst dahin, ich bleibe steh’n,
weil ich die Chance nicht erkannt.
Kehrst du zurück, dann wirst du seh’n,
dass mein Herz ist längst verbrannt!